Pyrrolizidinalkaloide in Spezies des

Tribus Eupatorieae (Asteraceae)

aus Mexico

Eupatoriumarten spielen in der Phytotherapie eine gewisse Rolle.
In Europa wird z.B. Eupatorium perfoliatum bereits seit langem mit gutem Erfolg zur Steigerung der Abwehrkräfte verwendet. Neben dieser kultivierten Art (sie stammt ursprünglich aus Nordamerika) kommt in unseren Breiten insbesondere Eupatorium cannabinum vor, die jedoch aufgrund ihres Gehaltes an toxischen Pyrrolizidinalkaloiden keine Rolle in der Medizin spielt.

In Mittelamerika (hier: Mexico) ist dagegen die Artenvielfalt bezüglich der Eupatoriumarten ungleich größer. Hier sind bislang weit über 100 Arten beschrieben, wobei vermutet werden darf, daß die meisten noch botanisches Neuland darstellen. Während früher diese Arten hauptsächlich der Gattung Eupatorium zugerechnet wurden, sind in den achtziger Jahren intensive Untersuchungen (besonders von R. King & H. Robinson) durchgeführt worden, die dazu geführt haben, daß der Tribus Eupatorieae neu geordnet und in nun über 160 Arten eingeteilt wurde. In der ursprünglichen Gattung Eupatorium befinden sich nun nur noch wenige Arten und es entstand eine größere Zahl neuer Gattungen, deren Arten vormals Eupatoriumarten waren (z.B. Chromolaena, Castenedia, Critonia, Bartlettina, usw).

Medizinisch sind die Eupatoriumarten (die eigentlich nicht mehr korrekte Terminologie soll der Einfachheit halber hier weiter verwendet werden, um alle Arten der Gattungen aus dem Tribus Eupatorieae aus der Familie der Asteraceen zu bezeichnen) in der traditionellen mexicanischen Medizin von Bedeutung. Wie eigene ethnopharmakologische und ethnobotanische Studien in den Bundesstaaten Guerrero, Hidalgo und Oaxaca ergaben, werden diese Pflanzen häufig in verschiedenen Indikationsgebieten eingesetzt.
Es konnte bislang die Verwendung von Eupatoriumarten in den verschiedensten Darreichungsformen zu folgenden Zwecken gefunden werden:
  • Entzündungen, Fieber, grippale Infekte
  • Magenbeschwerden
  • Schmerzbekämpfung
  • zur allgemeinen Stärkung des Organismus (=Steigerung der Abwehrkräfte)
  • Menstruationsbeschwerden
  • Antidiabetische Wirkung
  • äußerlich in Form von Bädern bei verschiedenen Hautinfektionen

Da jedoch bei Eupatoriumarten mit dem Auftreten von Pyrrolizidinalkaloiden zu rechnen ist, macht eine phytochemische Untersuchung der von den Einheimischen verwendeten Arten mit dem Hinblick auf die Abklärung der Alkaloidführung Sinn, um ggflls. ein toxisches Potential zu ermitteln.
Dabei ist zu beobachten, daß eine Kenntnis von toxischen Nebenwirkungen bei den einheimischen Heilkundigen durchaus bekannt ist, was dazu führt, daß zwar die ursprüngliche Pflanze toxische Alkaloide enthält, die letztendlich eingesetzte Darreichungsform jedoch durch spezielle Extraktions- oder Behandlungsverfahren frei von diesen schädlichen Komponenten ist.

 

Bislang untersuchte Pflanzen:

Critonia morifolia:
enthält die Pyrrolizidinalkaloide Rinderin, O-12-Acetylrinderin, O-9-(+)-viridiflorylretronecin (Morifolin)

H.Wiedenfeld, A. Andrade Cetto (1998) Phytochemistry 49, 1463
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Ageratum houstonianum:
enthält die Pyrrolizidinalkaloide Lycopsamin, Retrohoustin, Isoretrohoustin, Heliohoustin

H.Wiedenfeld, A. Andrade Cetto (2001) Phytochemistry 57, 1269
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Eupatorium maculatum:
enthält das Pyrrolizidinalkaloid Lycopsamin und das Guaianolid Cumambrin B

H.Wiedenfeld, G. Hoesch, E. Roeder, Th. Dingermann (2009) Pharmazie 64, 415
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Dr. Helmut Wiedenfeld