Fuchskreuzkraut - Senecio nemorensis, ssp fuchsii
- Asteraceae
"Fuchskreuzkraut"
(Senecio nemorensis L., ssp fuchsii (Gmel.) Celak) ist
eine Heilpflanze, die für verschiedene Indikationen eingesetzt wird.
Der alkoholische Extrakt der oberirdischen Teile zeigt haemostyptyptische
Eigenschaften. Eine auf dem Arzneimittelmarkt befindliche Zubereitung wird
insbesondere in der Frauen- und Zahnheilkunde bei funktionellen Blutungen
mit guten Ergebnissen verwendet.
Daneben wird das Kraut in Form des Teeaufgusses als Antidiabetikum empfohlen.
Diese Anwendung ist jedoch als sehr fragwürdig anzusehen, da im Gegensatz
zu der ersteren Anwendung hierfür keine nachvollziehbaren Literaturzitate
vorliegen.
Aufgrund der Zugehörigkeit zur Familie der Asteraceen, Tribus Senecioneae,
ist bei Senecio nemorensis, ssp fuchsii mit dem Auftreten
von Pyrrolizidinalkaloiden zu rechnen.
Verschiedene Untersuchungen haben dies bestätigt. Dabei ist von Bedeutung,
daß sich die beiden Subspezies der Art Senecio nemorensis (ssp.
fuchsii sowie ssp. nemorensis) durch ihre Alkaloidführung
klar unterscheiden: in fuchsii sind fast ausschließlich untoxische
Pyrrolizidinalkaloide zu finden, wogegen nemorensis hauptsächlich
toxische Vertreter dieser Stoffe führt. Aufgrund dieser chemotaxonomischen
Befunde wurde vorgeschlagen diese beiden Arten nicht als Unterarten von
S. nemorensis zu führen, sondern als zwei getrennt eigene Arten.
Für die Arzneimittelsicherheit spielen die Resultate
der phytochemischen Untersuchungen zur Alkaloidführung dieser Pflanzen
eine große Rolle: morphologisch sind beide Arten schwer zu unterscheiden
(hierfür sind die Färbung des Stengels und die Größe
der Blätter bedeutungsvoll), was leicht zu Verwechslungen führen
kann, was im Hinblick auf die toxischen Alkaloide in nemorensis als
schwerwiegend anzusehen ist. Daneben sind beide Arten aber auch in der Lage,
Bastarde und Hybride zu bilden, was sich im Hinblick auf die Alkaloidführung
negativ auswirken kann.
Es ist daher unbedingt darauf zu achten, daß zur medizinischen Verwendung
unbedingt nur echtes Fuchskreuzkraut eingesetzt wird, da hier kein toxisches
Potential vorliegt.
Daß diese Problematik tatsächlich aktuell ist, zeigen eigene
Untersuchungen zur Alkaloidführung von Handelsdroge, bei der in mehreren
Fällen eindeutig die Alkaloide von nemorensis nachgewiesen wurden.
Hiervon wurde in einem Langzeit-Tierversuch gezeigt, daß es bei Verwendung
dieser Handelsdrogen zu einem kanzerogenem Geschehen kommen kann (siehe
Literaturangaben).

Strukturen
der Pyrrolizidinalkaloide, die in Senecio nemorensis vorkommen können:

Literatur:
Isolierung, Strukturaufklaerung und Partialsynthese eines Alkaloids
aus Senecio fuchsii Dissertation Bonn 1976 Isolierung und Strukturaufklaerung
des Alkaloids Fuchsisenecionin aus Senecio fuchsii Phytochemistry 16,
1461 (1977)
Das Pyrrolizidinalkaloid Senecionin aus Senecio fuchsii Phytochemistry
18, 1083 (1979)
Zur Alkaloidfuehrung von Senecio nemorensis L., ssp. Fuchsii (Gmel.) Celak
und Senecio nemorensis L., ssp. Nemorensis (Rchb.) Celak Sci. Pharm.
57, 97 (1989) full paper (pdf-file)
Carcinogenic and Mutagenig Activity of an Alkaloidal Extract of Senecio
nemorensis, ssp. fuchsii Arzneim. Forsch. 32, 85 (1982)
full paper (pdf-file)
Pyrrolizidine Alkaloids in Senecio nemorensis L. from Mongolia Sci.
Pharm. 68, 207 (2000) full paper (pdf-file)
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