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Kreuzkrautarten - Gefahr für Mensch und Tier
Die Gattung Kreuzkraut (auch Greiskraut; vom Lateinischen:
Senecio = Greis)(Senecio sp.) ist weltweit verbreitet und umfasst mehr
als 100 Arten. Sie gehört dem Tribus Senecioneae und der Famile der Asteraceen
(Korbblütler) an.
In Mitteleuropa sind ~40 Arten beschrieben.
Allen Kreuzkrautarten gemein ist das Auftreten von
Pyrrolizidinalkaloiden (PA). Diese PA können mutagene, kanzerogene, teratogene
und embryotoxische Eigenschaften aufweisen. Obgleich Vergiftungsfälle an Tieren
seit fast 100 Jahren bekannt sind, wurde in Europa bis vor ca. 20 Jahren den
PA-haltigen Pflanzen und der phytochemischen, analytischen und
pharmakologischen Bearbeitung nur geringes Interesse zuteil. Dies resultierte
sicherlich auch daher, dass hier kaum Vergiftungsfälle bekannt wurden; aber auch
dadurch, dass die Toxizität der PA völlig unterschätzt und falsch beurteilt
wurde: man sah diese Stoffe - von ihrer Giftigkeit beurteilt - als eher
vernachlässigbar an. Da die PA bezüglich anderer pharmakologischer Eigenschaften kaum
von Bedeutung sind - im Gegensatz zu anderen Alkaloiden, die
ausgeprägte physiologische und pharmakologische Eigenschaften zeigen -, wurden sie
wissenschaftlich wenig beachtet.
Rückblickend erstaunt dies umso mehr, da bereits in den 50iger Jahren des
letzten Jahrhunderts in Deutschland eine Pferdekrankheit unter dem Namen
"Schweinsberger Krankheit" oder "Leberkoller" beschrieben wurde, die durch die
Aufnahme von Kreuzkräutern (in erster Linie Jakobskreuzkraut und
Frühlingskreuzkraut) verursacht wurde; man machte auch für diese Intoxikation
die in der Pflanze beinhalteten PA verantwortlich. Diese Berichte deckten sich
ziemlich genau mit den Fallberichten, die seit 1920 aus anderen Ländern
(Australien, Neuseeland) an Haustieren (Schafe, Rinder, Pferde) beschrieben
sind.
Auch schwere Vergiftungsfälle bei Menschen, die zwischen 1960 bis 1975 für
Aufsehen sorgten (es wurden epedmieartige Vergiftungsfälle im asiatischen Raum
mit über 10.000 Betroffenen und weit über 3000 Todesfällen durch die Aufnahme
von mit PA-haltigem Pflanzensamen kontaminiertem Getreide verzeichnet), führten
in Mitteleuropa zu keiner Intensivierung der Erforschung der Zusammenhänge
zwischen den PA, deren chemischer Struktur und der damit in Zusammenhang
stehenden Toxizität.
Das änderte sich erst, als Ende der 80er Jahre zwei tödlich
verlaufende Vergiftungsfälle an Kleinkindern auftraten, die durch die Aufnahme
von Pflanzenmaterial, welches die toxischen PA enthielt, hervorgerufen wurde.
Da es sich hierbei nicht um eine Kontamination von
Nahrungs- oder Futtermitteln handelte, sondern durch Heilpflanzen, welche diese
PA enthielten, zustande kamen, reagierte das damalige Bundesgesundheitsamt (BGA;
heute: BfArM = Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte) im Rahmen
des Stufenplans zur Abwehr von Arzneimittelrisiken mit einem Erlass für Pflanzen
oder Zubereitungen hieraus, die toxische Pyrrolizidinalkaloide enthalten: seit
1992 dürfen solche Produkte nur noch in den Handel gebracht werden, wenn
sichergestellt ist, dass die tägliche Aufnahmemenge an toxischen PA den Wert von
1µg nicht überschreitet. Die Anwendungsdauer ist auf 6 Wochen zu beschränken.
Überschreitet die Anwendungsdauer 6 Wochen, reduziert sich der täglich tolerable
Wert auf 0,1µg. Generell ist die Verwendung in Schwangerschaft und Stillzeit
auszuschließen.
Wie kam es nun dazu, dass erst seit relativ kurzer Zeit die toxischen
Nebenwirkungen von Pyrrolizidinalkaloiden in Mitteleuropa beachtet wurde?
Ein Grund hierfür ist, dass die Stoffe selber nur eine geringe akute Toxizität
aufweisen und daher lange Zeit als gering oder gar nicht giftig angesehen
wurden. Das Toxizität der PA beruht jedoch darauf, dass sie in der Leber zu den
eigentlich toxischen Agentien umgebaut (metabolisiert) werden; daher ist die
Leber auch das erste Zielorgan der toxischen Wirkung.
Siehe: Toxizitätsschema: http://phyto.pharma.uni-bonn.de/pa.html
Ein weiterer Grund ist sicherlich auch der Verlauf der Toxizität: PA können von
akuter Toxizität (selten; Ausnahme: Pferde) über sub-chronische Toxizität bis zu
einer Langzeittoxizität wirken. Dies hängt von Dosis und insbesondere Dauer der
Einnahme ab; aber tückischerweise ist diese Toxizität auch abhängig von der
Spezies, vom Geschlecht und vom Alter: so scheinen weibliche Individuen
geringere Anfälligkeit als männliche zu zeigen und Kleinkinder oder gar Embryos
reagieren sehr viel empfindlicher als Erwachsene (daher auch die Auflage des
BGA: keine Anwendung von PA-haltigen Präparaten in Schwangerschaft und
Stillzeit; PA sind plazenta- und milchgängig; tragisch auch der Fall einer
fetalen Intoxikation durch PA: Veno-Occlusive Disease in a Fetus caused by
Pyrrolizidine Alkaloids of Food Origin, siehe: unter meiner Rubrik:
Isolierung und Strukturklärung
von Pyrrolizidinalkaloiden in Heil- und Futterpflanzen;
Struktur-Toxizitätsbeziehungen).
Beim Menschen ist eher mit einem sub-chronischen oder chronischen Verlauf der
PA-Intoxikation zu rechnen. Daher ist in vielen Fällen, bei denen eine humane
PA-Vergiftung vermutet wurde, der Nachweis, dass tatsächlich die PA für die
Vergiftung verantwortlich sind, schwer zu führen, da oftmals zwischen Aufnahme
der Stoffe und Ausbruch der Krankheit ein längerer Zeitraum liegt.
Anders sieht die Situation bei Tieren aus: gerade Pferde zeigen eine sehr hohe
Empfindlichkeit für die toxische Reaktion von PA. d.h., diese Spezies reagiert
eher im Sinne einer akuten Intoxikation. Dies ist sicherlich auch der Grund
dafür, dass man in den 50 und 60er Jahren den Zusammenhang zwischen Aufnahme des
Kreuzkrautes und dem Ausbruch der Pferdekrankheit schnell erkannt hatte.
Zur Situation der Vergiftungsfälle bei Pferden siehe unter
http://www.jacobskreuzkraut.de/.
Andere Tierspezies reagieren bedeutend unempfindlicher: von speziellem Interesse
hierbei sind Wiederkäuer, da diese Tiere für den Menschen eine herausragende
Stellung besitzen, da sie direkt zur Nahrung dienen (Fleischlieferant), aber
auch Produkte liefern, die zu Nahrungszwecken verwendet werden.
Hierbei ist Milch zu nennen. Es ist bekannt, dass milchliefernde Tiere nach
Aufnahme von PA-haltigem Pflanzenmaterial diese Stoffe in die Milch abgeben.
Bedenkt man die Bedeutung von Milch, aber auch Milchprodukten wie Käse, Quark,
Joghurt, besonders im Hinblick auf den Anteil in der Kindernahrung (erhöhtes
Toxizitätspotenzial bei Säuglingen und Kleinkindern!), dann wird das
Gefährdungspotenzial deutlich.
Ein weiteres aktuelles Problem ist die Belastung von Honigen durch toxische PA.
Über den Zwischenwirt Biene gelangen die Stoffe in den Honig. Man geht davon
aus, dass in erster Linie durch die Biene in den Honig eingeschleppter Pollen
dafür verantwortlich ist. Z.Zt. wird davon ausgegangen, dass ein sehr hoher
Prozentsatz der auf dem Markt angebotenen Honige mehr oder weniger stark mit PA
kontaminiert ist. Durch die relativ geringe individuelle Aufnahme an Honig
sollte die Gefahr einer direkten Humangefährdung gering sein; berücksichtigt man
hier aber, in wie vielen Produkten (auch hier spielt die Kindernahrung wieder
eine besondere Rolle) Honig verarbeitet wird (z.B. Energieriegel, Müsli, etc.),
bekommt das Honigproblem eine sehr viel größere Bedeutung.
Biene auf Jakonskreuzkraut:

Eine weitere Humangefährdung durch toxische PA ist - neben der Aufnahme durch
PA-haltige Heilpflanzen - die Kontamination von Nahrungsmitteln. Vielfach
berichtet wurde die Kontamination von Getreide: schwerste Vergiftungen mit
mehreren Tausenden von Todesfällen sind über diesen Intoxikationsweg bekannt
geworden. Dieser Weg spielt bei uns in Mitteleuropa (noch?) keine Rolle: die Art
und Weise des Getreideanbaus, die Feldpflege und die Art der Ernte lassen eine
Kontamination mit PA-haltigem Pflanzensamen als eher unwahrscheinlich
erscheinen.
Anders sieht es mit der Kontamination von Salaten mit toxischen Kreuzkräutern
aus.
Im Falle von Rucola-Salat wurden etliche mit dem gemeinen Kreuzkraut
verunreinigte Proben in Supermärkten sichergestellt. Auch in Salatmischungen
wurde dieses Ackerunkraut gefunden. Bereits 2007 warnte das Bundesamt für
Risikobewertung (BfR) vor dieser Humangefährdung.
Im Falle von Rucola oder Salatmischungen ist diese Gefahr sicherlich groß, da
beide Pflanzen (Salat und gemeines Kreuzkraut) sich sowohl von der Größe aber
besonders auch von der Form der Blätter für Nicht-Fachleute kaum unterscheiden
lassen und auch die Art der Ernte eine Kontamination kaum verhindert.
Das hier tatsächlich eine Humangefährdung vorliegt, bestätigt die Analyse einer
mit gemeinem Kreuzkraut kontaminierten Rucolaprobe, in der auf 40g Salat 2600µg
toxischer PA gefunden wurde (Hinweis: das BGA hat als unbedenkliche tägliche
Menge weniger als 1µg zugelassen). Nicht abzuschätzen ist das toxische Potenzial
einer solchen Probe sollte sie z.B. von einer Schwangeren oder Stillenden
verzehrt werden!

Von welchen
Kreuzkrautarten geht eine Gefährdung aus?
PA-haltige Heilpflanzen (Gebrauch durch den Erlass des BGA reglementiert):
Huflattich - Tussilago farfara
Beinwell - Symphytum spezies
Pestwurz - Petasites spezies
Borretsch - Borago officinale
Wasserdost - Eupatorium spezies
in der Homöopathie werden verwendet:
Goldkraut - Senecio aureus
Aschenpflanze - Cineraria maritima (syn. Senecio cineraria)
Neben dieser direkten Gefährdung durch die Verwendung dieser Pflanzen oder
Zubereitungen hieraus, besteht eine Humangefährdung durch Kontamination von
Nahrungs- und Futtermitteln.
Hierbei spielt die in den letzten Jahren beobachtete gravierende massive
Ausbreitung und Vermehrung einiger Kreuzkrautarten eine entscheidende Rolle:
diese Situation trifft besonders auf das Jakobskreuzkraut (JKK; Senecio
jacobaea, syn. Jacobae vulgaris) zu.

Diese Pflanze hat sich auf Stillegungsflächen, Straßenrändern und in Weiden
derart ausgebreitet, dass man unbedingt von einer Gefährdung sprechen kann.
Etliche Vergiftungsfälle an Tieren (hier wieder an erster Stelle sind die für
eine PA-Intoxikation besonders anfälligen Pferde zu nennen) wurden in den
letzten 2 Jahren in Mitteleuropa beobachtet, die direkt auf die Aufnahme von JKK
zurückzuführen sind (siehe:
http://cdl.niedersachsen.de/blob/images/C39412784_L20.pdf sowie:
http://www.jacobskreuzkraut.de/).
Während zunächst die Hinweise auf die mögliche Gefahr durch JKK als lächerlich
abgetan wurde, hat mittlerweile bei den meisten Behörden ein Umdenken eingesetzt
und es werden vielerorts Anstrengungen unternommen, der Situation Herr zu
werden. Nicht nur die Ausbreitung auf Weideflächen ist hier zu beachten;
sicherlich besteht eine noch höhere Gefahr durch Mähwiesen, da sich das JKK dort
ebenfalls massiv ausbreitet und überdies die toxischen PA im Mähgut verbleiben
und so auch ihre Nebenwirkung erhalten bleibt. Günstiger sieht es im Fall der
Silage aus: wir konnten feststellen, dass bei der Silierung der größte Teil der
toxischen PA fermentativ abgebaut werden.

Weitere problematische Weidepflanzen sind die dem JKK sehr ähnlichen
gespreiztblättrige und das raukenblättrige Kreuzkraut (Senecio erraticus
und Senecio erucifolius) sowie das Wasserkreuzkraut (Senecio aquaticus).
Besonders im südlichen Teil Mitteleuropas und im alpinen Bereich machen auch das
Steppenkreuzkraut (Senecio integrifolius; syn. Tephroseris
integrifolia) und das Alpenkreuzkraut (Senecio alpinus) größere
Probleme.
Keine dieser Arten hat in der massiven Zunahme der Verbreitung jedoch die
Ausmaße von JKK angenommen. Gründe für die extensive und sehr bedenkliche
Zunahme von JKK gibt es viele, wie günstige klimatische Bedingungen der letzten
Jahre, Brach- und Stilllegungsflächen, auf denen sich diese genügsame Pflanze
hervorragend ausbreiten konnte, aber auch die Tatsache, dass zur Neubegrünung
von Leerflächen, Straßenrändern, etc., Samenmischungen verwendet wurden, die
JKK-Samen beinhalteten. Dieser unglaubliche Vorgang (bedenkt man die Tatsache,
dass das toxische Potenzial von JKK auf jeden Fall hätte bekannt sein müssen:
Vergiftungsfälle durch JKK sind seit 1920 beschrieben!) hat die jetzige
Situation maßgeblich gefördert.
Erwähnt werden muss auch eine Kreuzkrautart, die als Weide- oder Wiesenpflanze
bislang keine Rolle spielt, die aber bezüglich ihrer massiven Ausbreitung und
Vermehrung dem JKK gleichzusetzen ist: das schmalblättrige Kreuzkraut (Senecio
inaequidens). Zum ersten Mal Anfang der 80er Jahre in Norddeutschland
angesiedelt, hat sie sich dieser ursprünglich aus dem Mittelmeerraum stammende
Neubürger bei uns extrem besonders an Straßenrändern, entlang der Autobahnen und
auf Schuttflächen angesiedelt. In letzter Zeit konnte beobachtet werden, dass
diese Art ihre angestammten Wuchsplätze verlässt und ebenfalls auf Ackerflächen,
entlang von Getreidefeldern und sogar auf kargen Wiesen anzutreffen ist.
Toxizität bei Menschen:
Eine direkte Abschätzung der Toxizität beim Menschen ist nur sehr schwer zu
ermitteln, da der Mensch eher einen sub-chronische bis chronischen Verlauf der
PA-Intoxikation zeigt und durch den längeren Zeitraum zwischen Aufnahme und
Ausbruch der Krankheit selten ein Rückschluss auf Menge und Aufnahmedauer zu
führen ist.
Drei Fälle sind beschrieben, in denen dies möglich war:
•
Das PA Echimidin (z.B. aus Beinwell): Aufnahme von 14,1 µg pro Tag, 120
Tage lang. Dies entspricht 85 mg oder 1,7 mg/Kg bw. Resultat: sub-chronische
Lebervergiftung.
•
Gewürzmischung mit Beinwell : 20 – 30 µg PA pro Woche als Tee genommen während
der Schwangerschaft: akutes Leberversagen (VOD) des Neugeborenen.
•
Das PA Heliotrin (aus Heliotropium-Samen) als Kontamination im Getreide
führte in Afghanistan zu 8000 Fällen mit massiven Todesfolgen (über 3000
Menschen). Das kontaminierte Brot wurde über einen Zeitraum von 2 Jahren
verwendet. Die ermittelte Gesamtaufnahmemenge betrug 1,46 g pro Person.
Daneben gibt es eine Vielzahl von Fällen, in denen eine Intoxikation durch
PA-haltiges Pflanzenmaterial beschrieben wird ohne konkrete Angaben zu Menge und
Aufnahmedauer:
|
Location and year |
Affected people |
Observed damage |
Source of PA |
Lit. |
|
South Africa, 1920 |
11 adult people |
Abdominal pain,
vomiting, cirrhosis |
Senecio illicifolius, S, burchelli |
Willmot, Robertson, 1920 |
|
Jamaica, 1954 |
23 adults |
VOD |
Bush-teas with Crotalaria fulva |
Bras, Brooks, et al., 1961 |
|
South Africa, 1968 |
15 children; 10 died |
VOD |
Bush-teas; Crotalaria
sp.? |
Freiman, Schmaman, et
al., 1968
|
|
Venezuela, 1969 |
5 years old girl |
VOD |
Crotalaria anagyroides, C. pumila
consumed as infusion and as vegetable soup |
Grases, Beker, 1972 |
|
Kuweit, 1970 |
Adults |
Liver carcinoma |
Heliotropium ramosissimum
("Ramram")? |
Macksad, Schoental, et
al., 1970 |
|
Jamaica, 1970 |
6 children |
VOD |
Bush-tea from Crotalaria and Senecio sp. |
Brooks, Miller, et al., 1970 |
|
Iraq, 1970 |
9 children |
VOD |
food contaminated by a Senecio spec. |
Al-Hasany, Mohamed, 1970 |
|
Afghanistan , 1970-72 |
7200 people |
VOD |
Wheat contaminated with Heliotropium popovii, ssp. gillianum |
Mohabbat, Srivasta, et al., 1976 |
|
India, 1973 |
486 people |
VOD |
Cereals contaminated with Crotalaria spp. |
Tandon, Tandon, et al., 1976 |
|
Ecuador, 1973 |
Woman |
VOD |
Herbal tea with Crotalaria juncea |
Lyford, Vergara, et al., 1976 |
|
India, 1973, 1975 |
4 male people |
Endemic ascites |
Millet contaminated with Crotalaria spp. |
Krishnamachari, Bhat, et al., 1977 |
|
China, 1973, 1978 |
2 adults |
VOD |
Gynura segetum |
Hou, Xia, et al., 1980 |
|
India, 1974-1977 |
6 people |
VOD |
Heliotropium eichwaldii |
Datta, Khuroo, et al., 1978 |
|
Martinique, 1975 |
2 children |
VOD |
Bush-teas with Crotalaria retusa and/or Heliotropium sp. |
Saint-Aimé , Ponsar, et al., 1977 |
|
USA, 1976, 1977 |
4 children |
Vein congestion and necrosis of liver |
Senecio longilobus |
Stillman, Huxtable, et al., 1977 |
|
UK, 1976 |
Woman |
VOD |
Maté (Paraguay tea) contaminated with PA of unknown origin |
McGee, Patrick, et al., 1976 |
|
USA, 1984 |
49 year old woman |
VOD |
Food supplement containig Symphytum spp. root |
Ridker, Okhuma, et al., 1985 |
|
China, 1985 |
4 women |
VOD |
Herbal tea containig Heliotrpopium lasiocarpum |
Culvenor, Edgar, et al., 1986 |
|
Switzerland, 1985 |
59 years old man and 27 years old son |
VOD |
Herbal tea consisting of Senecio spp. |
Margalith, heraief, et al., 1985 |
|
Switzerland, 1986 |
5 days old baby |
VOD |
Herbal tea containing Tussilago farfara consumed during whole
pregnancy |
Roulet, Laurini, et al., 1988 |
|
UK, 1986 |
13 years old boy |
VOD |
Herbal tea containing Symphytum spp. |
Weston, Cooper, et al., 1987 |
|
Tadjikistan, 1992, 1993 |
3906 people |
Abdominal pain, hepatomegaly, ascites, alteration of consciousness |
Heliotropium lasiocarpum |
Chauvin, Dillon, et al., 1993 |
|
Peru, 1994 |
38 year old woman |
VOD |
Herbal tea from Senecio tephrosioides |
Tomioka, Calvo, et al., 1995 |
|
Spain, 1995 |
73 years old man |
VOD |
Senecio vulgaris |
Sansado, Valadés, et al.,. 1995 |
|
Austria, 1995 |
18 month old boy |
VOD |
Herbal tea with Adenostyles alliariae |
Sperl, Stuppner, et al., 1995 |
|
Argentina; 1999 |
23 old woman |
VOD |
Herbal tea containing Senecio vulgaris |
Vilar, Garcia, et al., 2000 |
|
Germany, 2002 |
Foetus |
VOD |
Symphytum
spp. |
Rasenack, Müller, et al., 2003 |
Toxizität bei
Wiederkäuern:
Auch hier liegen zahlreiche Berichte vor:
|
Location and year |
Affected animal |
Source of PA |
|
Albania
1995 |
cattle |
Senecio subalpinus |
|
Argentina
1994 |
Cows |
Senecio selloi |
|
Australia
1962
1968
1972
1985
1987
1987
1991
1997 |
Sheep
Sheep
Heifers
Calves
Cattle
Sheep
Heifers
Cattle |
Echium plantagineum
Crotalaria mucronata
Heliotropium europaeum
Heliotropium europaeum
Heliotropium amplexicaule
Echium plantagineum, Heliotropium europaeum
Senecio lautus
Heliotropium europaeum |
|
Bhutan
1994 |
Yaks |
Senecio raphanifolius, S.biligulatus,
Ligularia spp. |
|
Brazil
1987
1987
1988
1993
2001
2005 |
Cows, steers, heifers, calves
Bovines
Bovines
Cows, heifers, steers
Sheep
Sheep |
Senecio brasiliensis, S. selloi, S. heterotrichius, S. crisplatinus, S.
leptilobus
Senecio brasiliensis, S. selloi
Senecio brasiliensis, S. selloi
Senecio tweediei
Crotalaria retusa
Senecio brasiliensis |
|
Canada
1969 |
Heifers |
Senecio jacobaea |
|
Mexico
1982 |
Sheep |
Senecio sanguisorbe |
|
Russia
1979 |
Calves |
Cynoglossum officinale |
|
Sudan
1981 |
Calves |
Crotalaria saltiana |
|
Switzerland
1980 |
Cattle |
Senecio alpines |
|
The Netherlands
2002 |
Cattle |
Senecio jacobaea |
|
UK
1917 |
Cattle |
Senecio jacobaea |
|
Uruguay
1978 |
Cattle |
Senecio brasiliensis |
|
USA
1962-63
1989 |
Heifers
Calves |
Amsinckia intermedia, Senecio vulgaris
Cynoglossum officinale |
Daneben gibt es etliche Verfütterungsversuche, die einen Rückschluss auf das
toxische Potential der PA zulassen:
·
1975 erhielten Schafe 20 Wochen lang 100 g JKK. Der Tod trat ein nach 11, 18
und 46 Wochen. Da JKK einen Gehalt bis zu 0,5% aufweist, kann davon ausgegangen
werden, dass die Tiere täglich 500 mg PA erhielten.
·
1982 wurden 1,2 bis 4,04 kg pro kg Körpergewicht (bw) von JKK an Ziegen
verfüttert. Ab 1,2 kg pro kg bw wurde chronische Toxizität beobachtet. Das
bedeutet, dass Ziegen 100% ihres Körpergewichtes von JKK aufnehmen können.
Rinder können dagegen nur 5-20% ihres Körpergewichtes aufnehmen, ohne chronische
Toxizität zu entwickeln.
·
1982 Heliotropium ovalifolium wurde an Ziegen und Schafe in Dosen von 10
- 5 g pro kg bw verfüttert. Alle Ziegen verstarben nach einer aufgenommenen
Gesamtmenge von 1-5 kg Pflanzenmaterial, wogegen die Schafe 20 kg
Pflanzenmaterial noch überlebten.
·
1984 wurde an Ziegen 10g pro kg bw Crotalaria saltiana bis zu einer Menge
von 0,5 kg Pflanzenmaterial verfüttert; es traten schwere Leberschädigungen auf.
·
1984 wurde Echium plantagineum (eine PA-haltige Pflanze, die besonders in
Australien zu schweren Viehvergiftungen geführt hat) in 4 Perioden zu je 12
Wochen in Mengen von 0,03 bis 1% in das Futter gemischt: es wurden keine
Schädigungen beobachtet.
·
1986 wurde die gleiche Pflanze in einer Menge von 81,4 mg pro kg bw und 105,6 mg
pro kg bw an Kälber und Schafe verfüttert. Die Schafe zeigten keine Toxizität,
alle Kälber wiesen schwere Leberschädigungen auf.
·
1985 wurde die tödliche Dosis für Senecio ridellii in Ziegen bei 400 g
Pflanze über eine Periode von 20 Tagen verfüttert gefunden ( = 15 mg pro kg bw
an PA total).
·
1986 zeigte die Verfütterung von 12,1 kg Frühlingskreuzkraut (Senecio
vernalis) verteilt über 100 Tage nur schwache Leberschäden.
·
1988 wurde an Kälber 1,3 kg pro Tag JKK verfüttert. Nach 182 Tagen lagen schwere
Leberschäden (Megalozytosen) vor.
·
1991 wurde ebenfalls an Kälber 45 mg pro kg bw PA (aus Senecio ridellii)
über 20 Tage gegeben. Dies führte zu einer Sterblichkeitsrate von 100%.
·
1991 wurde gezeigt, dass eine einmalige Dosis von 60 mg pro kg bw PA (aus
Cynoglossum officinale) Kälber innerhalb 48 Std. tötete.
·
1992 wurde Rindern Dosen von 0,5 bis 4 g pro kg bw von Senecio oxyphyllus
verfüttert. Als toxischer Bereich wurde eine Gabe von 1 g pro kg bw über 60 Tage
lang ermittelt.
Diese Daten lassen keine eindeutige Dosis-Toxizitätsableitung zu, da zu
unterschiedliche Dauer in den Verfütterungsexperimenten verwendet wurden.
Klar wird aber, dass die Empfindlichkeit für die PA-Toxizität vom Rind über die
Ziege zum Schaf abnimmt.
Von Bedeutung ist jedoch bei allen drei Tierspezies, dass in jedem Fall nach
Aufnahme toxischer PA diese in mehr oder weniger großen Konzentration in die
Milch dieser Tier ausgeschieden werden und so über den Zwischenwirt Tier zu
einer Humangefährdung führen kann.
PA-Gehalt in
Jakobskreuzkraut (Senecio jacobaea, syn. Jacobaea vulgaris)
Ein wichtiger Aspekt ist sicherlich der Gehalt an toxischen PA in den
Kreuzkrautarten. Generell enthalten alle Kreuzkrautarten PA.
Die genannten Arten, die z.Zt. ein Gefahrenpotenzial darstellen, zeigen alle
einen ähnlichen Gesamtgehalt an toxischen PA. Dieser kann jedoch schwanken in
Abhängigkeit vom Zeitpunkt in der Vegetationsperiode, vom Standort und von der
Bodenbeschaffenheit. Allgemein kann gesagt werden, in den kritischen
Kreuzkrautarten liegt der Gehalt an PA zwischen 0,01 bis 1%.
Im Falle von JKK haben wir den PA Gehalt sowohl auf die Gesamtmenge als auch im
Hinblick auf die einzelnen PA über die Vegetationsperiode untersucht.
Dabei ergab sich folgendes Bild:
Gehalt an Pyrrolizidinalkaloiden in µg/ 1g Pflanzenmaterial

Erwartungsgemäß ist in der Blütezeit der höchste Gehalt zu finden. Aber auch die
Rosette weist einen Gehalt von 0,1% auf, der dann zur Blüte auf 0,8% ansteigt.
Damit wird deutlich, dass JKK zu den Pflanzen mit einem hohen PA Gehalt zählt
und damit ein hohes toxisches Potenzial aufweist.
Betrachtet man die individuelle Verteilung der einzelnen Alkaloide, wird
offenbar, dass JKK 10 PA von unterschiedlicher chemischer Struktur enthält:
Gaschromatogramm eines Totalextraktes von JKK:

Gesamtpflanze:

Aus dem Abbild der Verteilung der einzelnen PA wird
deutlich, dass auch das Mengenverhältnis der einzelnen PA sowohl
jahreszeitlichen als auch standortbedingten Schwankungen unterworfen ist. Der
Grad der Toxizität der einzelnen PA im JKK ist ähnlich. Die unterschiedliche
Verteilung der einzelnen PA, bzw. die Unterschiede in der Zusammensetzung der
Mischung ist jedoch von Bedeutung, da in Abhängigkeit von der jeweiligen
konkreten Struktur der einzelnen PA ein unterschiedliches pharmakokinetisches
Verhalten resultiert. Das bedeutet, dass die unterschiedlichen von der Struktur
abhängigen physikalischen Eigenschaften sich auf die Resorption, die
Metabolisierung und die Elimination (was als Entgiftungsparameter anzusehen ist)
auswirken; hiermit ist in erster Linie die Geschwindigkeit der jeweiligen
Parameter gemeint.
So konnten wir feststellen, dass, obwohl sie nicht als Hauptkomponente im
JKK-PA-Muster vorliegen, die Metabolite der PA Seneciphyllin und Jacolin im
Lebergewebe von an einer JKK-Intoxikation verstorbenen Tieren sich am längsten
nach der PA-Aufnahme nachweisen lassen, wodurch auf einen relativ langsamen
Verlauf des Abbaus der PA in der Leber geschlossen werden kann.
Zusammenfassend kann gesagt werden, dass die PA von
Kreuzkrautarten, sollten diese in Form von Heilpflanzen und Zubereitungen
hieraus oder als Kontaminanten in Nahrungs- und Futtermitteln aufgenommen
werden, eine ernstzunehmendes gesundheitliches Risiko darstellen.
Eine weitere Ausbreitung und Verbreitung auf landwirtschaftlich genutzten
Flächen ist daher unbedingt zu verhindern.
Dies gilt aber auch für andere Flächen, wie Straßenränder, Bahndämme,
Brachflächen, Naturschutzflächen, in denen sich JKK und die anderen genannten
problematische Kreuzkräuter ausbreiten, da - bedingt durch eine räumliche Nähe -
diese Pflanzen auf Nutzflächen zu Kontamination führen können ("übersiedeln" der
PA-Pflanzen oder auch durch Wind verbreiteter Kreuzkrautsamen auf diesen
Nutzflächen).

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