Phytochemische und pharmakologische Untersuchungen

an Heilpflanzen mit antidiabetischer Wirkung

aus der Traditionellen Medizin Mexicos

Diabetes mellitus spielt als Volkskrankheit eine große Rolle.
1995 ermittelte die WHO weltweit 135 Millionen Diabetiker im Erwachsenenalter. Diese Zahl zeigt deutlich zunehmende Tendenz und 1998 wurden für das Jahr 2025 300 Millionen Erkrankter prognostiziert.
Für die Vereinigten Staaten von Mexico wurde für den gleichen Zeitraum ein Anstieg um 200% auf 11,7 Millionen Diabetiker vorhergesagt. Bei einer z.Zt. Gesamtbevölkerung von ca. 80 Millionen stellt diese Zahl eine alarmierende Größe dar.
Als Gründe für diese Situation können neben genetischer Prädisposition insbesondere die schlechte und/oder falsche Ernährungslage insbesondere innerhalb der ärmeren Bevölkerungsschicht angenommen werden.

Diabetes mellitus wird in zwei Typen unterteilt:
Typ I: insulinabhängig (ID)
Typ II: nicht-aghängig (NID).
Von Bedeutung ist, daß der enorme Anstieg an Diabetes-Erkrankten in Mexico in erster Linie dem NID zugerechnet wird.
Innerhalb der traditionellen indianischen Medizin Mexicos liegen zahlreiche Berichte über die Verwendung von Pflanzen, bzw. Präparationen hieraus zur Behandlung des NID vor. Dies zeigt, daß diese Erkrankung in diesem Land eine lange Tradition hat - also auch der Diabetes den einzelnen ethnischen Volksgruppen durchaus geläufig war und ist.

Voraussetzung für die Untersuchung möglicher Pflanzen mit hypoglykaemischer Wirkung sind eingehende ethnobotanische und ethnopharmakologische Studien in den einzelnen Ethnien, die eine letztlich statistisch gesicherte Aussage über solche Pflanzen zulassen.

siehe: Ethnobotanische/ Ethnopharmakologische Untersuchungen.

Aufgrund unserer Studien wurden einige Pflanzen als mit gesicherter antidiabetischer Wirkung eingestuft.
Hiervon werden zunächst pharmakologische Voruntersuchungen am Tiermodell (Streptozotozin-induzierter NID an Ratten) durchgeführt in der Weise, daß die von den einheimischen Heilern verabreichte Darreichungsform getestet wird.
Zeigen diese Versuche ebenfalls ein positives Ergebnis, schließen sich phytochemische Untersuchungen an mit dem Ziel, möglichst die aktiven Komponenten zu isolieren und in ihrer Struktur zu klären.
Danach folgen weitere pharmakologische Tests mit speziellen Fraktionen, angereicherten Extrakten und isolierten Einzelkomponenten
.

siehe hierzu Presseberichte zu unseren Untersuchungen.

 

Bislang untersuchte Pflanzen:

Equisetum myriochaetum Schlecht. et Cham., Equisetaceae

Die Pflanze wurde in Xochipala, Guerrro, gesammelt.


 

Die oberirdischen Teile wurden phytochemisch untersucht. Als Hauptbestandteile der alkoholischen Extraktion wie auch des von den Einheimischen verwendeten wässrigen Extraktes wurden Flavonolglykoside identifiziert:
Neben dem Kaffesäureester (4) die bekannten Kaempferolderivate ( 1 und 2) sowie als neue Verbindung Kaempferol-3-O-sophoroside-4´-O-ß-glucosid (3).

H. Wiedenfeld, A. Andrade Cetto, C. Perez-Amador (2000) Biochem. Syst. Ecol. 28, 395 (full paper (pdf-file))

Pharmakologische Untersuchungen mit Extrakten und Fraktionen als auch mit der isolierten Verbindung 4 zeigten einen hypoglycaemischen Effekt.
Dieser ist vergleichbar dem von Glibenclamid, welches als Referenz verwendet wurde.

A. Andrade Cetto, H. Wiedenfeld, C. Revilla, S. Islas (2000) J. Ethnopharm. 72, 129 (full paper (pdf-file))

Klinische Untersuchungen:

C. Revilla, A. Andrade Cetto, S. Islas, H. Wiedenfeld (2002) J. Ethnopharm. 81, 117 (full paper (pdf-file))

 

Cecropia obtusifolia Bertol., Cecropiaceae

Die Pflanze wurde in Tlanchinol, Hidalgo, und San Felipe Usila, Oaxaca, gesammelt.

Die Blätter der Pflanze wurden phytochemisch untersucht. Als Hauptbestandteile der alkoholischen Extraktion wie auch des von den Einheimischen verwendeten wässrigen Extraktes wurden Isoorientin und Chlorogensäure isoliert.


 

Die pharmakologischen Ergebnisse ergaben einen hypoglycaemischen Effekt des von den Einheimischen verwendeten wässrigen Auzuges aus Blättern als auch von angereicherten Pflanzenextrakten:

A. Andrade Cetto, H. Wiedenfeld (2001) J. Ethnopharm.78, 145 (full paper (pdf-file))

Klinische Untersuchungen:

C. Revilla-Monsalve, A. Andrade-Cetto, M.A. Palomino-Garibay, H. Wiedenfeld, S. Islas (2007) J. Ethnopharm. 111, 636 (full paper (pdf-file))

 

Acosmium panamense (Benth.) Yacovlev, Fabaceae

Die Pflanze (syn. Sweetia panamense) wurde in San Felipe Usila, Oaxaca, gesammelt.

Die Rinde der Pflanze wurde phytochemisch untersucht. Als Hauptinhaltsstoffe der alkoholischen Extraktion wie auch des von den Einheimischen verwendeten Aufgusses konnte das Pyron Desmethylyangonin (ein Vertreter der sog. "Kavalactone") sowie seine O-4´-Glykoside isoliert werden.

Helmut Wiedenfeld and Adolfo Andrade-Cetto (2003) Z. Naturforsch. 58c, 637 (full paper (pdf-file))


 

Die pharmakologischen Ergebnisse ergaben einen hypoglycaemischen Effekt des von den Einheimischen verwendeten Aufgusses der Rinde als auch von angereicherten Pflanzenextrakten:

 

Malmea depressa (Baill) R.E. Fries., Annonaceae

Die Pflanze wurde in Chikindzonot, Yucatán, gesammelt.

Die Wurzeln der Pflanze wurden phytochemisch untersucht. Als Hauptinhaltsstoffe der extrahierten Wurzeln wie auch in wässrigen Infusionen, welche die Einheimischen anwenden, konnten bislang zwei phenolische Verbindungen isoliert werden.

Adolfo Andrade-Cetto, Eddy Martínez-Zurita, Helmut Wiedenfeld (2005) J. Ethnopharm.100, 319 (full paper (pdf-file))


 

Die pharmakologischen Ergebnisse ergaben einen hypoglycaemischen Effekt des von den Einheimischen verwendeten Aufgusses der Wurzeln als auch von angereicherten Pflanzenextrakten.

 

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Dr. Helmut Wiedenfeld