Huflattich Tussilago farfara - Asteraceae

Huflattich (Tussilago farfara, L., Asteraceae) gehört sicherlich zu den ältesten von Menschen verwendeten Heilpflanzen. Belege sowohl aus der keltischen Zeit) als auch Anwendungen in der Frühzeit durch die Griechen (hier bekannt unter dem Namen Béchion, besso = Husten) zeugen von dieser These. Dioskorides im 1. Jahrhundert n. Chr. als auch sein Zeitgenosse Plinius, der den Namen Tussilago (aus lat. tussis = Husten und agere = vertreiben) und Farfarum od. Farfugium prägte, beschrieben die Inhalation des Rauches von Blättern und Wurzeln der Pflanze bei trockenem Husten und Schweratmigkeit. Daneben wurden die zerriebenen Blätter äußerlich gegen Entzündungen und Abzesse der Brust empfohlen. Diese Indikation des Huflattich fand im Mittelalter in den Kräuter-büchern, Apothekertaxen (Worms,1582; Braunschweig, 1666; Frankfurt, 1687) und Pharmakopöen (Stuttgart, 1741; Berlin, 1799) Erwähnung. Die Blätter der Pflanze blieben in Deutschland in den Arzneibüchern erhalten. Bis zu Beginn der 90er Jahre wurde die Droge Tussilago farfara in recht großem Umfang verwendet. Auf dem Arzneidrogenmarkt betrug der jährliche Umschlag bis zu 20 t Blattdroge. Als Hauptlieferant kamen in erster Linie osteuropäische Länder (hier besonders Polen) zum Zuge. Als Hauptinhaltsstoffe der Blätter gelten die Schleimstoffe (6-10%), Kohlenhydrate (Inulin), Gerbstoffe (10%) sowie Flavonoide und Pflanzensäuren, wenig Sterine und Triterpene). Daneben wurde ein glycosidischer Bitterstoff beschrieben, dem zeitweilig das wirksame Prinzip zugeordnet wurde. Ebenfalls wirksam sollte das in allen Teilen der Pflanze nachgewiesene ätherische Öl sein, da neben den Blättern auch andere Pflanzenteile (besonders Blüten, z.B. in der chinesischen Heilkunde) eine Aktivität aufweisen, der Bitterstoff jedoch nur in Blättern zu finden war. Heute wird der saure Polysaccharidschleim als wirksames Prinzip angesehen, der sowohl in Blättern als auch in Blüten zu finden ist, über dessen Zusammensetzung jedoch unterschiedliche Angaben vorliegen. Die Wirkung soll auf einer Umhüllung der entzündeten Bronchialschleimhaut durch die Schleimstoffe beruhen, was zu Reizmilderung führt, wodurch als Hauptindikation der reflektorisch bedingte trockene Reizhusten im Vordergrund steht
Im Zuge der Diskussion um eine Humangefährdung durch die Einnahme von Pflanzen oder Zubereitungen aus ihnen, die toxische Pyrrolizidinalkaloide (PA) enthalten, geriet ebenfalls der Huflattich in den Verdacht der kanzerogenen Nebenwirkung, da er - wie die PA-haltigen anderen Vertreter aus der Familie der Asteraceen - dem Subtribus Senecioneae angehört. Dies wurde untermauert durch verschieden Befunde zur Analyse der PA aus Huflattich. Aus Blütenständen chinesischer Herkunft isolierten Culvenor et al. das Alkaloid Senkirkin. Eine hepatotoxische Wirkung dieser Substanz wurde bereits 1970 von Schoental nachgwiesen. Da in Japan Blüten chinesischer Herkunft arzneilich verwendet wurden, führte Hirono einen Langzeitfütterungsversuch an ACI-Ratten mit dieser Droge durch. Als Ergebnis wurden nach Abschluß des Versuches bei den Tieren der Gruppen I (16% Huflattichzusatz in der Nahrung) und II (8% Huflattichzusatz in der Nahrung) verschiedenartige Lebertumore gefunden.Zusätzlich traten histologische Veränderungen der Leber wie Nekrosen und Zirrhosen auf. Hieraus schloß Hirono auf eine krebserzeugende Nebenwirkung von Huflattichblüten chinesischer Herkunft hervorgerufen durch das toxisch PA Senkirkin. Zum Beweis untersuchten er und seine Mitarbeiter in einem 650 Tage-Experiment das isolierte PA Senkirkin und fanden nach Abschluß des Versuches bei 45% der Tiere Leberadenome und bei der überwiegenden Zahl der Ratten histologische Anomalien der Leber. Eine mutagene Wirkung dieses PA wurde an Zellen des chinesischen Hamsters (V79) ebenfalls gefunden. Während in chinesischen Blütendrogen relativ hohe Alkaloidwerte (über 50 ppm) gefunden wurden, fand man in vergleichenden Unter-suchungen verschiedener Handelsblattdrogen niedrigere Werte (1-13 ppm). Andere Autoren beschrieben dagegen in Blattextrakten (wässrig und methanolisch) hergestellt aus ungarischer und polnischer Handelsdroge höhere (50 - 100 ppm) Werte. In deutscher Arzneibuchdroge wurden bis zu 15 ppm (dies entspäche einer Tagesdosis von 75 µg PA) gefunden. Zwischenzeitlich wurde auch über das Auftreten des ebenfalls toxischen PA Senecionin in Huflattich berichtet. Eigene Arbeiten zur Analytik der PA im Huflattich, die die Untersuchung der Blattdroge von verschiedensten europäischen Herkünften wie auch chinesischer Blütendroge zum Ziel hatten, bestätigten das mögliche Vorliegen beider toxischer PA. Daneben konnten die untoxischen Alkaloide Tussilagin und Isotussilagin isoliert werden. Es wurde hier auch deutlich, daß ein stark schwankender Alklaloidgehalt (bezogen auf die toxischen Verbindungen Senkirkin und Senecionin) in der Handelsdroge zu finden ist. So konnten wir Gesamtgehalte zwischen 1 und 350 ppm nachweisen.

 

Strukturen der Pyrrolizidinalkaloide, die in Tussilago farfara vorkommen können:

Erfolgreiche Züchtung von alkaloidfreiem Huflattich - Link

siehe hier full paper (pdf-file; 1.5 MB)

Literatur:

Tussilagin-ein neues Pyrrolizidinalkaloid aus Tussilago farfara
Planta med. 43, 99 (1981)

Pyrrolizidinalkaloide im Huflattich - Zur quantitativen Bestimmung in der Droge und in Zubereitungen
Dtsch. Apoth. Ztg. 135, 1037 (1995)

Quantitative Photometric Determination of Senkirkine in Farfarae Folium
Phytochem. Anal. 8, 1 (1997)

PA-freie Huflattichblätter - Teil I: In-vitro-Kultivierung und Selektionszüchtung
Dtsch. Apoth. Ztg. 137, 4066 (1997)

PA-freie Huflattichblätter - Teil II: Analytik der Pyrrolizidinalkaloide
Dtsch. Apoth. Ztg. 137, 4070 (1997)

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Dr. Helmut Wiedenfeld